Der Mensch im Dazwischen
Furtwangen, 20.02.2013
Seminar „Schwellenräume“ an der Bauhaus-Universität Weimar

Was geschieht, wenn wir ein Gebäude betreten oder verlassen? Was erlebt der Mensch dabei, welche Rolle spielt die Architektur, welchen Einfluss hat die Technik? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Studenten der Bauhaus-Universität Weimar in Kooperation mit Siedle. Die Ergebnisse präsentiert das nun vorliegende Buch „Schwellenräume“.


Im gleichnamigen Seminar an der Architektur-Fakultät der Bauhaus-Universität Weimar untersuchten 25 angehende Architekten komplexe Fragen zur Schwelle. Siedle initiierte die Veranstaltung, gab Einblick in die Entwicklung und Produktion von Systemen für die Gebäudekommunikation und setzte sich mit den Entwürfen auseinander.

Die Schwelle von morgen

Auch ein Traditionsunternehmen wie Siedle lernt in einem solchen Prozess dazu: Werden Digitalisierung und Vernetzung die etablierten Verfahren auflösen? Wie entwickelt sich das Spannungsfeld zwischen stetig zunehmender Transparenz und dem wachsenden Bedürfnis nach Abschottung? Können Schwellenräume der Architektur vorgelagert werden, und muss es dann überhaupt noch punktuelle Technikinstallationen geben?

Nur wer eine Vorstellung davon hat, wie die Schwelle morgen aussieht, kann die richtige Technik dafür entwickeln. Natürlich setzt Siedle sich damit permanent auseinander, doch Studenten nähern sich dem Thema unbelastet von Machbarkeits- und Rentabilitätsschranken. Die nun vorliegende Dokumentation verdeutlicht die Vielfalt der Ansätze, mit denen das Thema Schwelle interpretiert werden kann. Wie Architektur, Mensch und Technik interagieren, wie ein Schwellenraum Bewegung in Gang setzt, Besucher leitet und zwischen verschiedenen Zonen vermittelt – solche Aspekte demonstrieren die Entwürfe auf sehr unterschiedliche Weise.

Jede Schwelle ist Kommunikation

Ein erstes Fazit ist: Jede Schwelle ist Kommunikation. Nicht erst durch eingebaute Technik, sondern durch ihre pure Existenz. Sie gibt vielfältige Signale, kann einladend sein oder abweisend, schön oder hässlich. Sie öffnet sich und das Gebäude, oder sie verschließt es. Das alles tut sie, ob wir es wollen, planen und gestalten oder nicht. Das Gesetz, nach dem es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren, gilt auch hier. Die Schwelle offenbart viel über das, was hinter ihr liegt. Wir tun gut daran, die Sprache, die ein Eingang spricht, bewusst zu wählen.

Till Boettger über die Schwelle

„Schwellen unterbrechen räumliche Grenzen für den Übergang aus einer Zone eine andere. Schwellen öffnen Räume und organisieren Zugänge. Schwellenräume sind Übergangsräume, die als räumlicher Auftakt Funktionsräume erschließen. Meistens bilden sie eine räumliche Sequenz, die in der Bewegung wahrgenommen wird und von der Erwartung des folgenden räumlichen Ereignisses lebt. Schwellenräume übernehmen beim Empfangen und Ankommen wichtige Funktionen und leiten den Menschen im Dazwischen.“ Till Boettger, Lehrstuhl Entwerfen und Raumgestaltung, Fakultät Architektur, Bauhaus-Universität Weimar

Bildunterschriften von oben nach unten:

Bauhaus_Welcomebooth: Beispielhafter Entwurf für einen ausgeprägten Schwellenraum: Der Welcomebooth von Christian Müller ist ein Empfangsmöbel für den Wohnbau, das auf die heutigen Ansprüche an Individualität, Kommunikation und Sicherheit reagiert. Der Briefkasten und die Klingel werden zum Raum. Über Bildschirme, die individuell bespielt werden, können Nachrichten hinterlassen werden. Die Fotokabine dient der Übertragung physischer oder virtueller Nachrichten oder als zusätzliche Sicherheitsbarriere.

bauhaus_schwellenkarussell: Das Schwellenkarussell, ein Entwurf von Julia Naumann: „Es gibt Dinge, die wir ablegen möchten, wenn wir nach Hause kommen, und es gibt Dinge, die wir mitnehmen müssen, wenn wir das Haus verlassen. Manchmal sind es dieselben Dinge.“

bauhaus_blickfang: Michaela Bottke entwarf mit dem Blickfang ein Objekt für den öffentlichen Raum: „Die öffentliche Skulptur lädt zum Begehen ein, indem sie sich als offener Körper darstellt. Taucht man in den Raum-Körper ein, wird der Einstieg zum Ausblick.“

6334: Im Dialog über das Thema Schwelle: Till Boettger, Lehrstuhl Entwerfen und Raumgestaltung, Fakultät Architektur, Bauhaus-Universität Weimar, und Peter Strobel, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation bei Siedle.

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